Foto: Daniela KühnArchivfoto: RichterFoto: D. Kühn
Die Bühne im Festsaal des Familienhauses haben Reinhard Ander (l.) und Günter Noschka von alten Platten und morschen Treppen befreit. Seit zwei Jahren engagieren sich die Männer ehrenamtlich, erst im Strombad, jetzt im Familienhaus der Jugendhilfe Cottbus e. V.Lesefuchs Helga Schäfer liest kleinen Patienten eine Geschichte vor.Das Wissen über die Natur gibt «Wald-Peter» an Kinder weiter.

 

 
 
Ansprechpartner:
Karen Wichmann
Freiwilligenagentur Cottbus
Zielona Gora Str. 16
03048 Cottbus
Tel (0355) 488 86 63
Telefax (0355) 4 88 86 64
 
  29.08.2008 Lausitzer Rundschau

Wie familienfreundlich meine Kommune ist

Ein Lächeln als Lohn für Muskelkraft und Bücherkiste

Egal ob Leseclub oder Waldexkursion – ohne engagierte Senioren blieben viele Aktivitäten für Kinder und Familien in Cottbus auf der Strecke. Einrichtungen wie das Strombad oder das neue Familienhaus des Vereins Jugendhilfe wären kaum möglich, würden Ehrenamtliche nicht ihre freie Zeit opfern.

«Die Hilfe von Senioren ist für uns besonders wichtig, weil damit die generationsübergreifende Verantwortung für das Aufwachsen unserer Kinder wahrgenommen wird» , sagt Jörn Meyer, Geschäftsführer der Jugendhilfe Cottbus. Senioren wie Reinhard Ander (68) und Günter Noschka (64) zählen zu den ehrenamtlichen Helfern, die an verschiedenen Projekten der Jugendhilfe mitwirken. Seit zwei Jahren arbeiten sie zuverlässig, erst im Strombad, jetzt im Familienhaus. «Sie sind das Wichtigste, was wir haben» , sagt der Bau- und Objektverantwortliche Günter Just. «Es sind Fachleute, die wissen, worauf es ankommt und mitdenken. Sie sind unverzichtbar.» Rückbau, Maurer-, Zimmer- und Schlosserarbeiten – die Senioren packen an.
«Wir wollten etwas mit Jugendlichen für Jugendliche machen. Das konnten wir im Strombad umsetzen und hier fortführen» , sagt Reinhard Ander. «Außerdem haben wir so wieder eine Aufgabe» , fügt Günter Noschka hinzu. Ein weiterer treuer Helfer sei auch Horst Depner gewesen, wie Bauverantwortlicher Just erzählt. «Er fehlt uns. Vor wenigen Tagen ist er nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.»
Von den etwa 900 Menschen, die sich zwischen den Jahren 2002 und 2006 bei der Freiwilligenagentur Cottbus für ein Ehrenamt interessiert haben, seien 40 Prozent Senioren gewesen, sagt Ramona Franze-Hartmann, Projektleiterin der Freiwilligen agentur. Die Anzahl der älteren engagierten Menschen sei aber höher, die Zusammenarbeit zwischen den Generationen unverzichtbar. «Ich würde in Cottbus gern ein neues Projekt umsetzen, bei dem Senioren den Jugendlichen bei der beruflichen Orientierung, bei Bewerbungsgesprächen und ähnlichem helfen.» Das Wissen und die Erfahrung machten die Älteren zu unersetzlichen Partnern für die Jungen.
Erwin-Peter Krause heißt in der Waldameisengruppe der Kita Storchennest nur «Wald-Peter» . «Ohne ihn ginge es nicht» , sind sich die Erzieherinnen Viola Thiele und Sieglinde Förster einig. Jeden Mittwoch komme der 67-Jährige ex tra aus Dissen nach Gallinchen, um den Kindern die Natur zu erklären. «Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Die Freude und Neugierde der Kinder an Flora und Fauna sind meine Motivation» , begründet der fünffache Opa das ehrenamtliche Engagement. «Die Kinder haben einen hohen Wissensbedarf, das macht Spaß.» Auf den Spuren von Eichhörnchen, Kuckuck und Eidechse bewegen sich die Drei- bis Sechsjährigen durch den Wald und verbringen auch Regentage in der Natur.
«Das Miteinander ist toll» , sagt Erwin-Peter Krause. Neben seiner Rolle als Waldkenner schlüpft er zur Freude vieler Kita-Kinder regelmäßig auch in Osterhase- und Weihnachtsmannkostüm.
Geschichten sind das Hobby der Lesefüchsin Helga Schäfer. Seit vier Jahren geht sie wöchentlich in die Kinderklinik und die Kinderchirurgie des Carl-Thiem-Klinikums. Den kleinen Patienten bringt sie eine Gute-Nacht-Geschichte mit. «Das reicht manchmal schon, um abzulenken und Trost zu spenden» , sagt die Rentnerin. Als ehemalige Grundschullehrerin kann Helga Schäfer so ihrem Anspruch auch über die Dienstjahre hinaus treu bleiben. «Wir wollen den Kindern Spaß am Lesen vermitteln und Lust auf Bücher machen» , erklärt die 64-Jährige.
Mit einer Büchertasche bepackt, besuchen Helga Schäfer und eine Kollegin Woche für Woche die kranken Kinder. Vorgelesen wird, was sich die Patienten wünschen. «Märchen sind eher selten. Gefragter sind die Geschichten von Elisabeth Shaw oder Hexe Lilli. Ich biete auch Bücher an, beispielsweise Alfons Zitterbacke» , sagt Helga Schäfer. Ihr ehrenamtlicher Einsatz lohne sich für sie. «Zu sehen, wie sich Kinder, Eltern und auch das Personal freuen, ist das wert.»
Durch das Engagement der Senioren in Cottbus entstehen nach Ansicht Jörn Meyers Gemeinschaften wie in idealtypischen Dorfgemeinschaften: «Die Kinder spielen und lernen, die Erwachsenen arbeiten und schaffen Wohlstand, die Älteren betreuen und geben die nötige Sicherheit. Das eine gibt es ohne das andere nicht.»

* Weitere Folgen der Serie «Wie familienfreundlich meine Kommune ist» finden Sie im Internet unter www.lr-online.de/familienserie

Von Daniela Kühn

 

 
 
   


 
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