Monika Richter betreut ehrenamtlich zwei Cottbuser
Mädchen
Biete Enkel, suche Oma
Bei Autos geht es, bei Gartengeräten und inzwischen auch bei
Großeltern: Sie können gemietet werden. Monika Richter
wird einmal in der Woche die Wunsch-Oma für die beiden Cottbuserinnen
Tabea und Merrit Gregor. Sie macht das ehrenamtlich und «mit
großer Freude».
Monika Richter weiß, was Kinder mögen: Die 50-Jährige
geht mit Tabea und Merrit Eis essen, auf den Wasserspielplatz im Eliaspark,
zu den Pferden an der Kutzeburger Mühle, schmiedet Pläne
für gemeinsame Kinobesuche, macht mit ihnen Hausaufgaben und
ist zwischendurch auch für Kuscheleinheiten zuständig. Dass
die sieben- und zehnjährigen Mädchen nicht Omi, sondern
«Moni» zu ihr sagen, tut dem liebevollen Umgang keinen
Abbruch.
«Die beiden freuen sich schon die ganze Woche auf diesen Nachmittag»
, berichtet Katrin Gregor. Für die allein stehende Sekretärin
ist das neue Familien-Mitglied eine echte Entlastung. Sie habe seit
Langem bei der Freiwilligenagentur nach Wunsch-Großeltern gefragt.
Ihre Eltern wohnten nicht in Cottbus. Die Betreuung der Kinder lastet
allein auf ihren Schultern. Nach der Arbeit fährt sie die Mädchen
zur Christenlehre, zur Musikschule, zum Klettern und Turnen. Durch
die Leih-Oma habe sie nun wenigstens einen Nachmittag, an dem sie
etwas für sich tun könne: Die 40-Jährige besucht dann
einen Englisch-Kursus. Und sie muss nun nicht jeden Dienstag aufs
Neue Freunde organisieren. Genau das empfindet die Angestellte der
Bran denburgischen Technischen Universität (BTU) als Luxus: «Das
ist das Beste, dass an diesem einen Nachmittag die Betreuung fest
geregelt ist.»
Wie es ohne Großeltern am Wohnort ist, kennt Monika Richter
aus ihrer eigenen Familie. Ihre Tochter sei deswegen sogar extra von
München in die Nähe von Karlsruhe umgezogen. Dort wohnen
die Schwiegereltern der Tochter. Ihre beiden kleinen Enkelsöhne
sieht die Sergenerin auch nach dem Umzug von Bayern nach Baden-Württemberg
nur ein- oder zweimal im Jahr. Dafür habe sie ja aber Ersatz
in Cottbus: Tabea und Merrit Gregor. «Die Chemie hat sofort
gestimmt» , sagen Monika Richter und Katrin Gregor wie aus einem
Munde. Deshalb vertraut Katrin Gregor ihre beiden Mädchen gern
der fremden Frau an. Dass die Leih-Oma noch jung ist und Auto fährt,
«das ist richtig gut» , sagt Katrin Gregor.
Inzwischen kennt «Omi Moni» nicht nur die Namen der Lehrer
und Freundinnen von Merrit und Tabea. Sie hat auch als eine der Ersten
erfahren, dass sich die Mutti ein neues Auto gekauft hat. «Kinder
erzählen viel.» Das weiß Monika Richter auch von
ihrem anderen ehrenamtlichen Job. Seit anderthalb Jahren ist sie im
Montessori-Kinderhaus im Schmellwitzer Hopfengarten ein «Lesefuchs»
und liest Vorschulkindern und Grundschülern am liebsten Grimmsche
Märchen vor.
Als Leih-Oma ist Monika Richter eine von acht in Cottbus. Wunsch-Großeltern-Dienst
heißt das Projekt der Freiwilligenagentur offiziell. Der Bedarf
sei riesengroß, sagt Projektleiterin Ramona Franze-Hartmann.
Es gebe viele allein stehende berufstätige Mütter, die auf
externe Hilfe angewiesen sind. Gerade im Schichtdienst im Altenpflegebereich
gebe es wenig Entgegenkommen der Arbeitgeber für Mütter
mit Kindern. Das erfährt Ramona Franze-Hartmann immer wieder
von Frauen. Acht ehrenamtliche Großeltern sind in einer Stadt
wie Cottbus, in der immer mehr Senioren leben, nicht viel. Ramona
Franze-Hartmann ist schon froh über diese acht ehrenamtlichen
Paare. Viele Großeltern seien heute jung, wollten, wenn die
eigenen Kinder aus dem Haus sind, die Welt entdecken. «Eine
Leih-Oma zu sein, ist eben etwas anders als ein Babysitter.»
Viele scheuten sich vor neuer Verantwortung und neuen Pflichten, sucht
Ramona Franze-Hartmann nach Ursachen.
Katrin Gregor kann das nicht nachvollziehen. «Das ist doch eine
gute Chance.» Sie kenne viele ältere Menschen, die nichts
mit sich anzufangen wüssten. Als Leih-Großeltern «hätten
sie das gute Gefühl, gebraucht zu werden» . Genau das ist
die Motivation für Monika Richter. Sich ehrenamtlich für
andere Menschen zu engagieren, ist für die arbeitslose Verkäuferin
mehr als nur Zeitvertreib. «Ich möchte auch etwas Sinnvolles
tun.» Als Belastung empfindet Monika Richter ihre Nachmittage
mit Tabea und Merrit Gregor nicht. Im Gegenteil: «Ich komme
raus, lerne dazu und bleibe jung.»
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Das Projekt «Wunsch-Großeltern-Dienst» hat die Freiwilligenagentur
im Jahr 2004 ins Leben gerufen. Zurzeit betreuen acht Großeltern-Paare
acht Cottbuser Familien.
# Neue Wunsch-Großeltern sind immer gesucht: Kontakt über
die Freiwilligenagentur 0355 4888665. Auslagen werden nach Vereinbarung
erstattet. Am 3. September 10 Uhr ist das nächste Treffen für
die aktiven Wunsch-Großeltern im Soziokulturellen Zentrum.
von Sybille von Danckelman
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