Wunsch-Oma Monika Richter mit Tabea (l.) und Merrit Gregor auf dem Wasserspielplatz. Über Langeweile kann die 50-Jährige nicht klagen: Sie ist mit ihrem belgischen Schäferhund Balou im Hundesportverein des PSV aktiv und hat ein großes Gartengrundstück. Doch auf die beiden kleinen Cottbuserinnen freut sie sich immer ganz besonders. Foto: S.v. Danckelman

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  Lausitzer Rundschau 26.07.2008


Monika Richter betreut ehrenamtlich zwei Cottbuser Mädchen

Biete Enkel, suche Oma

Bei Autos geht es, bei Gartengeräten und inzwischen auch bei Großeltern: Sie können gemietet werden. Monika Richter wird einmal in der Woche die Wunsch-Oma für die beiden Cottbuserinnen Tabea und Merrit Gregor. Sie macht das ehrenamtlich und «mit großer Freude».

Monika Richter weiß, was Kinder mögen: Die 50-Jährige geht mit Tabea und Merrit Eis essen, auf den Wasserspielplatz im Eliaspark, zu den Pferden an der Kutzeburger Mühle, schmiedet Pläne für gemeinsame Kinobesuche, macht mit ihnen Hausaufgaben und ist zwischendurch auch für Kuscheleinheiten zuständig. Dass die sieben- und zehnjährigen Mädchen nicht Omi, sondern «Moni» zu ihr sagen, tut dem liebevollen Umgang keinen Abbruch.
«Die beiden freuen sich schon die ganze Woche auf diesen Nachmittag» , berichtet Katrin Gregor. Für die allein stehende Sekretärin ist das neue Familien-Mitglied eine echte Entlastung. Sie habe seit Langem bei der Freiwilligenagentur nach Wunsch-Großeltern gefragt. Ihre Eltern wohnten nicht in Cottbus. Die Betreuung der Kinder lastet allein auf ihren Schultern. Nach der Arbeit fährt sie die Mädchen zur Christenlehre, zur Musikschule, zum Klettern und Turnen. Durch die Leih-Oma habe sie nun wenigstens einen Nachmittag, an dem sie etwas für sich tun könne: Die 40-Jährige besucht dann einen Englisch-Kursus. Und sie muss nun nicht jeden Dienstag aufs Neue Freunde organisieren. Genau das empfindet die Angestellte der Bran denburgischen Technischen Universität (BTU) als Luxus: «Das ist das Beste, dass an diesem einen Nachmittag die Betreuung fest geregelt ist.»
Wie es ohne Großeltern am Wohnort ist, kennt Monika Richter aus ihrer eigenen Familie. Ihre Tochter sei deswegen sogar extra von München in die Nähe von Karlsruhe umgezogen. Dort wohnen die Schwiegereltern der Tochter. Ihre beiden kleinen Enkelsöhne sieht die Sergenerin auch nach dem Umzug von Bayern nach Baden-Württemberg nur ein- oder zweimal im Jahr. Dafür habe sie ja aber Ersatz in Cottbus: Tabea und Merrit Gregor. «Die Chemie hat sofort gestimmt» , sagen Monika Richter und Katrin Gregor wie aus einem Munde. Deshalb vertraut Katrin Gregor ihre beiden Mädchen gern der fremden Frau an. Dass die Leih-Oma noch jung ist und Auto fährt, «das ist richtig gut» , sagt Katrin Gregor.
Inzwischen kennt «Omi Moni» nicht nur die Namen der Lehrer und Freundinnen von Merrit und Tabea. Sie hat auch als eine der Ersten erfahren, dass sich die Mutti ein neues Auto gekauft hat. «Kinder erzählen viel.» Das weiß Monika Richter auch von ihrem anderen ehrenamtlichen Job. Seit anderthalb Jahren ist sie im Montessori-Kinderhaus im Schmellwitzer Hopfengarten ein «Lesefuchs» und liest Vorschulkindern und Grundschülern am liebsten Grimmsche Märchen vor.
Als Leih-Oma ist Monika Richter eine von acht in Cottbus. Wunsch-Großeltern-Dienst heißt das Projekt der Freiwilligenagentur offiziell. Der Bedarf sei riesengroß, sagt Projektleiterin Ramona Franze-Hartmann. Es gebe viele allein stehende berufstätige Mütter, die auf externe Hilfe angewiesen sind. Gerade im Schichtdienst im Altenpflegebereich gebe es wenig Entgegenkommen der Arbeitgeber für Mütter mit Kindern. Das erfährt Ramona Franze-Hartmann immer wieder von Frauen. Acht ehrenamtliche Großeltern sind in einer Stadt wie Cottbus, in der immer mehr Senioren leben, nicht viel. Ramona Franze-Hartmann ist schon froh über diese acht ehrenamtlichen Paare. Viele Großeltern seien heute jung, wollten, wenn die eigenen Kinder aus dem Haus sind, die Welt entdecken. «Eine Leih-Oma zu sein, ist eben etwas anders als ein Babysitter.» Viele scheuten sich vor neuer Verantwortung und neuen Pflichten, sucht Ramona Franze-Hartmann nach Ursachen.
Katrin Gregor kann das nicht nachvollziehen. «Das ist doch eine gute Chance.» Sie kenne viele ältere Menschen, die nichts mit sich anzufangen wüssten. Als Leih-Großeltern «hätten sie das gute Gefühl, gebraucht zu werden» . Genau das ist die Motivation für Monika Richter. Sich ehrenamtlich für andere Menschen zu engagieren, ist für die arbeitslose Verkäuferin mehr als nur Zeitvertreib. «Ich möchte auch etwas Sinnvolles tun.» Als Belastung empfindet Monika Richter ihre Nachmittage mit Tabea und Merrit Gregor nicht. Im Gegenteil: «Ich komme raus, lerne dazu und bleibe jung.»
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Das Projekt «Wunsch-Großeltern-Dienst» hat die Freiwilligenagentur im Jahr 2004 ins Leben gerufen. Zurzeit betreuen acht Großeltern-Paare acht Cottbuser Familien.
# Neue Wunsch-Großeltern sind immer gesucht: Kontakt über die Freiwilligenagentur 0355 4888665. Auslagen werden nach Vereinbarung erstattet. Am 3. September 10 Uhr ist das nächste Treffen für die aktiven Wunsch-Großeltern im Soziokulturellen Zentrum.

von Sybille von Danckelman

 
 
   


 
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