Dietmar Piesker


Dietmar Piesker lehnt eine Verschärfung des Jugendstrafrechts kategorisch ab. Foto: Havesi

Pressemitteilung der Staatskanzlei Brandenburg 
- Dietmar Piesker der"erste vermittelte Ehrenamtliche" der Freiwilligenagentur Cottbus - wir sagen HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH und wollten wissen warum er sich engagiert

Ansprechpartner:
Frau Franze-Hartmann
Freiwilligenagentur Cottbus
Zielona Gora Str. 16
03048 Cottbus
Tel (0355) 488 86 63
Telefax (0355) 4 88 86 64
 
Lausitzer Rundschau 23.01.2008

Cottbuser Baggerfahrer kümmert sich seit Jahren um junge Straftäter

Mit Herz und Verstand

Dietmar Piesker ist ein Mann der Tat, einer der anpackt und handelt. Seit Jahren kümmert sich der Cottbuser um jugendliche Gefangene in der JVA-Dissenchen. In Gesprächen schafft er Vertrauen und nimmt den minderjährigen Verurteilten die Angst vor dem Leben hinter Gittern. «Die Arbeit ist erfolgreich» , sagt Piesker, der kürzlich als Anerkennung für sein ehrenamtliches Engagement von Bundespräsident Horst Köhler empfangen worden ist. Keiner von Pieskers Jugendlichen ist bislang rückfällig geworden.

«Ich arbeite gern mit jungen Menschen zusammen» , sagt Piesker. Sie seien noch entwicklungsfähig, dort könne er noch etwas bewegen. Herz und Ver stand bestimmen seine Arbeit. «Mal ist das Herz, mal der Verstand gefragt – je nach Situation.» Gegenwärtig betreut Dietmar Piesker zwei Mal im Monat drei Jugendliche im Jugendstrafvollzug der JVA Cottbus-Dissenchen.

Vorbild für seine Tochter
Hauptberuflich ist der verheiratete Familienvater Baggerfahrer. Seit elf Jahren arbeitet er im Tagebau Cottbus-Nord im Vierschichtsystem. Im Jahr 2001 nahm er ein Fernstudium in Psychologie auf. «Vielleicht war es Schicksal, denn genau zu dem Zeitpunkt wollte meine Tochter ihr Abitur abbrechen» , erzählt Dietmar Piesker. «So bin ich ihr damals ein Vorbild gewesen und sie hat daraus gelernt.» Denn die heute 22-Jährige studiert derzeit in Berlin und möchte später Lehrerin werden. Sie absolviere gerade ein Praktikum an einer Hauptschule in Berlin-Wedding, sagt der Familienvater. «Wenn sie Probleme mit Schülern hat, ruft sie mich an.»
Neben seiner Arbeit im Tagebau und der ehrenamtlichen Tätigkeit in der JVA engagiert sich Piesker in einem Projekt der Cottbuser Freiwilligenagentur. «Mentoring Europe – Aktivpatenschaften» solle in der Stadt eine Lücke schließen.
«Wir suchen nach Eltern mit bereits erwachsenen Kindern, die sich im Rahmen einer Patenschaft zu einem oder mehreren Jugendlichen einbringen» , erklärt Piesker. Eine solche Patenschaft solle Fehlentwicklungen vorbeugen. Sechs bis sieben Elternteile haben sich bei Piesker nach dem Projekt erkundigt. In den Gesprächen hat er nach eigenen Worten allerdings die Erfahrung gemacht, dass das Wort «Patenschaft» die Menschen abschreckt. «Sie assoziieren damit eine feste Bindung, eine Verpflichtung über einen längeren Zeitraum. Uns geht es jedoch erst einmal darum, dass die Erwachsenen in ihrem Umfeld besser hinsehen und Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen. Je früher, desto besser.»
Zur aktuellen Debatte um die Änderung des Jugendstrafrechts bezieht der Cottbuser eine deutliche Position. Die Verlängerung von Haftstrafen lehnt er kategorisch ab. «Das bringt weder den Jugendlichen noch der Gesellschaft etwas.» Aus seinen Erfahrungen könne er sagen, dass eine Haftstrafe von fünf Jahren für 17- oder 18-Jährige ausreiche. Jedes weitere Jahr im Gefängnis führe dazu, dass sich die Strukturen verfestigen und die Resozialisierung der jungen Menschen immer problematischer werde.

Erfolgreiche Jugendarbeit
Diese Erfahrungen habe er hauptsächlich in den Jahren 2003 bis 2005 gemacht, wo er in der JVA Cottbus-Dissenchen eine Selbsthilfegruppe betreute. «Es waren fünf junge Gefangene, die erstmals eine Haftstrafe verbüßten oder in der Knasthierarchie weit unten standen und ständig angefeindet wurden» , erzählt Dietmar Piesker. Er habe ihnen die Angst vor dem Leben hinter Gittern nehmen und sie psychologisch stabilisieren wollen.
In den Gruppengesprächen habe er den Jugendlichen persönliche Erlebnisse aus seinem Leben geschildert und so das Eis gebrochen, sagt Piesker. Als Jugendlicher sei er selbst kein Heiliger gewesen. «Doch ich habe, im Gegensatz zu den jungen Straftätern, die Zeichen erkannt, bevor es zu spät gewesen ist.» In den folgenden Sitzungen seien Regeln aufgestellt worden, erzählt Piesker. So sollten die Gefangenen niemals mit ihren Taten prahlen. Auch Geschäfte mit anderen Häftlingen sollten dringlichst vermieden werden. «Denn der Zinssatz» , so Piesker, «liegt im Knast meist bei hundert Prozent. Schnell gerät man da in Abhängigkeiten.»
Die langjährige Jugendarbeit war in Dietmar Pieskers Augen bislang erfolgreich. «Keiner der von mir betreuten jungen Täter ist rückfällig geworden.» Von Michél Havasi

 

 
 
   


 
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