Ungleich und doch vertraut: Kathrin Hagen besucht regelmäßig Liselotte Willi im Schweitzer-Haus. Gemeinsam Obst zu essen gehört genauso wie die Spaziergänge zur Zuschka zum festen Ritual.

Ansprechpartner:
Frau Franze-Hartmann
Freiwilligenagentur Cottbus
Zielona Gora Str. 16
03048 Cottbus
Tel (0355) 488 86 63
Telefax (0355) 4 88 86 64
 
Lausitzer Rundschau 21.09.2007

Cottbuserin Kathrin Hagen bringt frischen Wind in Liselotte Willis Leben

Ein ungleiches Paar

In diesen Tagen rückt das Ehrenamt ins Blickfeld: «Engagement macht stark» – unter diesem Motto läuft die 3. bundesweite Aktionswoche. Die Cottbuser leisten im Jahr mehr als 54 000 Stunden ehrenamtlich – das hat die Freiwilligenagentur ermittelt. Auch Kathrin Hagen ist ehrenamtlich tätig. Die Sozialpädagogik-Studentin besucht regelmäßig Liselotte Willi im Albert-Schweitzer-Haus und bringt Abwechslung in das Leben der 93-jährigen Dame. Das ungleiche Paar verbindet längst eine Freundschaft.

Als Kathrin Hagen vor zwei Jahren das erste Mal ins Zimmer von Liselotte Willi trat, «da stimmte sofort die Chemie» , erinnert sie sich. Das ist keine Bedingung für ein Ehrenamt – aber dieser glückliche Umstand gibt den wöchentlichen Besuchen einen besonderen Reiz. Nicht von ungefähr nennt die 93-jährige allein stehende Dame ihre Besucherin liebevoll «mein Sonnenschein» . Und Kathrin Hagen rutscht manchmal ein «Omi» heraus.
Von den gemeinsamen Stunden und Gesprächen profitieren beide Partner: Die 25-Jährige schaltet einen Gang runter, passt sich in dieser Zeit dem Rhythmus der alten Dame an und tankt dabei Kraft fürs Studium auf. Und die 93-Jährige hat eine vertraute Person, die an ihrem Alltag teilnimmt und Zeit zum Zuhören hat.
Die Besuche laufen längst nach einem eingespielten Ritual ab: Immer schaut Kathrin Hagen zuerst nach den Blumen im Fenster, gießt Wasser in den Luftbefeuchtern nach, ordnet Rechnungen in Hefter ab. Ist schönes Wetter, dann geht es ab an die Zuschka. Auch das läuft nach klaren Grundsätzen: Hagen schiebt die gehbehinderte Liselotte Willi im Rollstuhl zum Einkaufszentrum in Neu-Schmellwitz. Sie holen Kontoauszüge, Obst und Schokolade – die stecke Frau Willi gern mal den Schwestern oder Ärzten zu, weiß Hagen. Zurück geht es durch den Park am Albert-Schweitzer-Haus. Dann begutachten sie «ihre» Tamariske und erfreuen sich an dem schönen Busch. Die Augen für die Blumen und Sträucher habe Liselotte Willi ihr geöffnet, erzählt die Studentin.
Kathrin Hagen weiß, dass ein Ehrenamt zumeist eine Ehre ohne Ruhm ist. Doch bei ihrem wöchentlichen Einsatz geht es ihr um etwas ganz anderes. «Etwas Sinnvolles tun.» Sie habe als Schülerin als Zimmermädchen und in Fastfood-Restaurants gearbeitet und sich ihr Taschengeld aufgebessert. Bei der Arbeit in einem Altenheim sei ihr klar geworden, dass «Geld verdienen nicht alles ist» . Die Mediengestalterin sattelte um – seit dem Jahr 2005 studiert die Süddeutsche an der Fachhochschule Lausitz Sozialpädagogik. Ihre wöchentlichen Besuche bei der Seniorin will sie nicht überbewerten. «Ich versüße Frau Willi das Leben» , sagt sie bescheiden.
Das sieht Jörn Berrang, Leiter des von der Diakonie geführten Hauses, etwas anders: Ohne die Ehrenamtlichen werde es immer schwieriger, die Betreuung der Heimbewohner abzusichern. Und solch ein regelmäßiger Besuchsdienst sei eine «besondere Art der Wertschätzung für die alten Menschen» , betont Berrang.
Zum Thema Bürgerschaftliches Engagement
# Die Cottbuser Freiwilligenagentur macht heute in der Sprem/Ecke Altmarkt von 11 bis 16 Uhr eine Befragung . Cottbuser sollen auf speziell entwickelten Bögen über ihre Einstellung zum Ehrenamt berichten.
# Im Vorjahr hat die Freiwilligenagentur 54.066 Stunden gezählt, die Cottbuser ehrenamtlich in Vereinen, Initiativen oder in der Nachbarschaft geleistet haben. von Sybille von Danckelman

 

 
 
   


 
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