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Cottbuserin Kathrin Hagen bringt frischen Wind in Liselotte Willis
Leben
Ein ungleiches Paar
In diesen Tagen rückt das Ehrenamt ins Blickfeld: «Engagement
macht stark» – unter diesem Motto läuft die 3.
bundesweite Aktionswoche. Die Cottbuser leisten im Jahr mehr als
54 000 Stunden ehrenamtlich – das hat die Freiwilligenagentur
ermittelt. Auch Kathrin Hagen ist ehrenamtlich tätig. Die Sozialpädagogik-Studentin
besucht regelmäßig Liselotte Willi im Albert-Schweitzer-Haus
und bringt Abwechslung in das Leben der 93-jährigen Dame. Das
ungleiche Paar verbindet längst eine Freundschaft.
Als Kathrin Hagen vor zwei Jahren das erste Mal ins Zimmer von
Liselotte Willi trat, «da stimmte sofort die Chemie»
, erinnert sie sich. Das ist keine Bedingung für ein Ehrenamt
– aber dieser glückliche Umstand gibt den wöchentlichen
Besuchen einen besonderen Reiz. Nicht von ungefähr nennt die
93-jährige allein stehende Dame ihre Besucherin liebevoll «mein
Sonnenschein» . Und Kathrin Hagen rutscht manchmal ein «Omi»
heraus.
Von den gemeinsamen Stunden und Gesprächen profitieren beide
Partner: Die 25-Jährige schaltet einen Gang runter, passt sich
in dieser Zeit dem Rhythmus der alten Dame an und tankt dabei Kraft
fürs Studium auf. Und die 93-Jährige hat eine vertraute
Person, die an ihrem Alltag teilnimmt und Zeit zum Zuhören
hat.
Die Besuche laufen längst nach einem eingespielten Ritual ab:
Immer schaut Kathrin Hagen zuerst nach den Blumen im Fenster, gießt
Wasser in den Luftbefeuchtern nach, ordnet Rechnungen in Hefter
ab. Ist schönes Wetter, dann geht es ab an die Zuschka. Auch
das läuft nach klaren Grundsätzen: Hagen schiebt die gehbehinderte
Liselotte Willi im Rollstuhl zum Einkaufszentrum in Neu-Schmellwitz.
Sie holen Kontoauszüge, Obst und Schokolade – die stecke
Frau Willi gern mal den Schwestern oder Ärzten zu, weiß
Hagen. Zurück geht es durch den Park am Albert-Schweitzer-Haus.
Dann begutachten sie «ihre» Tamariske und erfreuen sich
an dem schönen Busch. Die Augen für die Blumen und Sträucher
habe Liselotte Willi ihr geöffnet, erzählt die Studentin.
Kathrin Hagen weiß, dass ein Ehrenamt zumeist eine Ehre ohne
Ruhm ist. Doch bei ihrem wöchentlichen Einsatz geht es ihr
um etwas ganz anderes. «Etwas Sinnvolles tun.» Sie habe
als Schülerin als Zimmermädchen und in Fastfood-Restaurants
gearbeitet und sich ihr Taschengeld aufgebessert. Bei der Arbeit
in einem Altenheim sei ihr klar geworden, dass «Geld verdienen
nicht alles ist» . Die Mediengestalterin sattelte um –
seit dem Jahr 2005 studiert die Süddeutsche an der Fachhochschule
Lausitz Sozialpädagogik. Ihre wöchentlichen Besuche bei
der Seniorin will sie nicht überbewerten. «Ich versüße
Frau Willi das Leben» , sagt sie bescheiden.
Das sieht Jörn Berrang, Leiter des von der Diakonie geführten
Hauses, etwas anders: Ohne die Ehrenamtlichen werde es immer schwieriger,
die Betreuung der Heimbewohner abzusichern. Und solch ein regelmäßiger
Besuchsdienst sei eine «besondere Art der Wertschätzung
für die alten Menschen» , betont Berrang.
Zum Thema Bürgerschaftliches Engagement
# Die Cottbuser Freiwilligenagentur macht heute in der Sprem/Ecke
Altmarkt von 11 bis 16 Uhr eine Befragung . Cottbuser sollen auf
speziell entwickelten Bögen über ihre Einstellung zum
Ehrenamt berichten.
# Im Vorjahr hat die Freiwilligenagentur 54.066 Stunden gezählt,
die Cottbuser ehrenamtlich in Vereinen, Initiativen oder in der
Nachbarschaft geleistet haben. von Sybille von Danckelman |