Foto: Nils Michaelis
Mit einem Reisequiz und anderen Formen spielerischer Kommunikation versucht Seniorentrainerin Angelika Voigt Fantasie und Gedächtnis älterer Menschen anzuregen.

Ansprechpartner Presse:
Frau Franze-Hartmann
Freiwilligenagentur Cottbus
Zielona Gora Str. 16
03048 Cottbus
Tel (0355) 488 86 63
Telefax (0355) 4 88 86 64

 
22.08.2006 Lausitzer Rundschau
Gehirnjogging für mehr Freude am Alter
Angelika Voigt trainiert die geistige Fitness von Cottbuser Senioren
«Gegen Kalk im Gehirn hilft nur Jogging.» Unter diesem Motto leitet Angelika Voigt ab September ein Seminar im Soziokulturellen Zentrum Cottbus. Zurzeit erprobt die frisch gebackene Seniorentrainerin ihr Können bei der Caritas. Im spielerischen Austausch von Gedanken will die ehrenamtlich Engagierte den Geist älterer Mitmenschen in Bewegung halten.

Mit einem Reisequiz und anderen Formen spielerischer Kommunikation versucht Seniorentrainerin Angelika Voigt Fantasie und Gedächtnis älterer Menschen anzuregen.
«Wo steht der Prater« Was fällt Ihnen zu Rom ein» Wo steht das längste Bauwerk der Welt» , schallt es im Seniorenclub «Goldener Herbst» in die Runde. «Wien, Vatikan, China» antworten rund 20 ältere Menschen zwischen 60 und 90 Jahren, vorwiegend Frauen, wie auf Kommando. Bei rotem Tee und Keksen haben sich die Mitglieder des Cottbuser Seniorenclubs «Goldener Herbst» an Gruppentischen zu einer «rätselhaften Reise» versammelt – so heißt das Ratespiel, das sich Angelika Voigt ausgedacht hat, um ihr Publikum zur geistigen Aktivität anzuregen.
Es herrscht andächtige Stille in dem leicht abgedunkelten Zimmer, während die betagten Herrschaften hoch konzentriert ihren Fragebogen ausfüllen. Von draußen sind Autos zu hören, die übers löcherige Kopfsteinpflaster rumpeln. – eine Atmosphäre wie in einer schweigsamen Schulklasse, wo alles mit Ehrfurcht auf die Lehrerin hört. Das sieht die «Gehirntrainerin» anders und betont, ihren Zuhörern altersgerecht gegenüberzutreten. «Die Leute haben ihren eigenen Kopf, sie lassen sich kaum von ihrem Kartenspiel abbringen, wenn ich einmal im Monat zur Tür hereinkomme.»
«Goldener Herbst» – Der Name des Caritas-Seniorenclubs in der Südstraße, den Angelika Voigt regelmäßig besucht, ist für sie Programm. Denn das Alter birgt für die agile 58-Jährige eine hohe Lebensqualität. Sie hat Freude am Altern, weil sie keine Angst vor dem Alter hat. «Die Leute sind heutzutage mit 60 Jahren viel gesünder und unternehmungslustiger als vor 20 oder 30 Jahren – und sie haben mehr Potenzial, als viele Jüngere denken» , sagt sie. Angelika Voigt zählt selbst zu den Fitten um die 60. In sportlicher Trekkinghose, im gestreiftem Hemd und mit Kurzhaarschnitt erscheint sie im Caritas-Haus. Die Ruhephase ihrer Altersteilzeit begreift die Mutter zweier erwachsener Kinder als Chance, einen neuen Lebensabschnitt zu gestalten.

Wacher Geist kontra Alzheimer
Doch wer das Leben ab 60 genießen will, braucht neben körperlicher Fitness einen wachen Geist. Gerade daran mangelt es vielen Hochbetagten, denn die Altersdemenz ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Bislang kann die Krankheit nicht geheilt, ihr Verlauf aber durchaus gesteuert werden. Die geistige Leistungsfähigkeit des Erkrankten so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, ist nach Meinung von Experten wie der Initiative «Altern in Würde» eine der wichtigsten Methoden, um Alzheimer und Altersdemenz im Frühstadium entgegenzuwirken. Genau dort setzt Angelika Voigts «Gehirnjogging» an.
Das Interesse an den neuen Facetten des Lebens, die ihr persönlicher goldener Herbst bereithält, scheint auch ihrer Lebenserfahrung zu entspringen. In ihrer beruflichen Karriere war die Cottbuserin häufig gezwungen, mit bisherigen Lebenswelten zu brechen. Die studierte Bauingenieurin verfolgte den Aufbau der Kohle-Großindustrie und ihres Rattenschwanzes aus Wohnsiedlungen in der Lausitz. Nach der Wende begleitete sie, «die gelernt hatte, wie man Häuser baut» in Diensten einer Tagebaugesellschaft den Abriss von Brikettfabriken und anderen Überbleibseln einer vergangenen Industriestruktur. Vielleicht liegt es an ihrer «zielstrebigen, unduldsamen und konsequenten Art» , die sich Angelika Voigt zuschreibt, dass sie Weichenstellungen im Leben eher schätzt als fürchtet.

Das Leben danach
Wenn sie nicht gerade auf Senioren-Visite ist, verschönert sie sich das Leben nach dem Job mit ihrem Ehemann, zum Beispiel während Radtouren an Oder und Neiße oder bei Fernreisen nach China. Doch das reine Privatvergnügen füllt sie auf Dauer nicht aus. «Haus, Hof und Mann – das reicht mir nicht» , betont sie. Außerdem fehle ihr der geistige Austausch mit den Kollegen, den sie früher am Arbeitsplatz in Brieske oder Hoyerswerda gewohnt war. Darum habe sie vor einiger Zeit entschieden, sich von der Freiwilligenagentur eine ehrenamtliche Tätigkeit vermitteln zu lassen, «die mir Spaß macht» , wie sie betont. Mit Aufopferung – ein Begriff, der vielen Zeitgenossen bei dem Stichwort «Arbeiten mit Senioren» sofort in den Kopf komme – habe das nichts zu tun. «Ich mache das nicht nur für andere» , sagt die jung gebliebene Ruheständlerin.
Zum Thema Freiwilliges Engagement
In Cottbus und Umgebung gibt es viele Menschen, die ehrenamtlich in den Bereichen Sport, Kultur und Soziales tätig sind. Ein Teil der Ehrenamtler wird über die Freiwilligenagentur koordiniert. Sie wurde 2001 gegründet. Ein Höhepunkt für alle Menschen, die sich für andere engagieren, ist die bundesweite Woche des bürgerschaftlichen Engagements vom 15. bis 24. September.

Von Nils Michaelis


nach oben


 
 
   
 
zurück